Wo? Was? für Wen?
Wo? Die unabhängigen Veranstaltungen finden statt, an wechselnden Orten im universitären Umfeld der Stadt Wien: Hörsaal, Kaffeehaus, Studierenden-Bar, Konzertsaal, wo auch immer wir Kooperationspartner finden.
Was? Metadisziplinäre Vorträge und Lecture/Performances zur metamodernen Theorie und Praxis.
für Wen? This is not for everyone. Das Angebot richtet sich an Interessierte und Studierende aller Fachsparten; diejenigen, die imstande sind über ihren eigenen Tellerrand zu blicken, die Pioniere von morgen.
Die Vorträge richten sich an diejenigen jungen Menschen, die zwar verankert sind in einem bestimmten Feld oder Fachgebiet, die aber gleichzeitig spüren, dass es das nicht gewesen sein kann, dass das zu wenig ist, in einer sehr komplexen, von Krisen gebeutelten Welt, die neue und große Lösungen braucht. Die sehr eng gefassten Lösungsansätze des Fachgebietes haben ihre historisch gewachsene Ursache und ihre Berechtigung. Alles ok, aber die großen systemischen Fragen und Probleme werden dabei nicht einmal gestellt, geschweige denn beantwortet.
Der Diskurs der Metamoderne und die ästhetischen Erfahrungen von Resonanz mit diesem neuen Phänomen, bilden einen sehr kraftvollen Rahmen der die Dinge sortieren kann, der klare Orientierung und gleichzeitig Raum für die einzelnen Perspektive schaffen kann.
Die Veranstaltungen wollen anregen, das eigen Tun in einem größeren Sinnzusammenhang zu reflektieren und ermutigen, sich eigene Ansätze, Versuche und Lösungen zu erarbeiten.
In diesem Austausch können alle voneinander lernen und gemeinsam profitieren.
Say hello to metamodernism.
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Zum Standort Wien - warum Wien!?
Ich habe Österreich vor 25 Jahren verlassen, damals als blutjunger Student. Zuerst nach Köln, dann Buenos Aires, später New York City und dann zurück nach Düsseldorf. Jetzt komme ich, vorerst mit einem Bein, zurück nach Österreich, gerade weil ich in den metamodernen Verschiebungen der westlichen Kultur ein neues, großes Potential für Österreich generell und im besonderen für Wien sehe. Warum?
Let’s face it: Wien hat seit der Zwischenkriegszeit kaum eine Rolle mehr gespielt im globalen Konzert von Kunst, Kultur, Wissenschaft, hat weder wirtschaftliche, soziale noch politische Impulse gesetzt, geschweige denn Österreich wäre ein Ort für technische Innovation gewesen… Einzelne Initiativen, erfolgreiche Nischenprodukte der Autoindustrie oder vereinzelte Nobelpreisträger sind kein Gegenbeweis, sondern die Ausnahmen bestätigen die Regel. Österreich trägt jedoch ein sehr profundes und omnipräsentes kulturelles Erbe aus der Vergangenheit, v.a. aus dem 18., dem 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert; Wien ist eine Art riesiges Freilichtmuseum, man kann sich dem Einfluss der Vergangenheit kaum entziehen. In Kombination mit der österreichischen, "gmiatlichen" Mentalität, die man wohl getrost als konservativ bezeichnen kann, war Wien kein fruchtbarer Boden für die radikale Dekonstruktion der Postmoderne. Die künstlerischen Bewegungen, die von der Postmoderne infiziert, gegen das monolithisch Bewahrende der Republik versucht haben anzukämpfen (wie z.B. der Wiener Aktionismus), sind alle eher Nischen und Fußnoten der Geschichte geblieben. Sie sind dem postmodernen, internationalen Trend eher hinterhergelaufen und hatten alle etwas Bemühtes, Verkrampftes. In der etwas lächerlich bierernsten Attitüde dieser selbsternannten Avantgarde-Bewegungen fehlte ihnen genau die spielerische, lässige Ironie einer souveränen Postmoderne (man denke z.B. an den Style des postmodernen Kult-Films „Pulp Fiction“). Stattdessen wurde der Großteil der österreichischen Kultur und der Bevölkerung bestenfalls ein bisschen gestreift von der Postmoderne und ist lieber der Walzer-Seligkeit des Neujahrskonzerts der Wiener Philharmoniker (nicht ohne Grund dem bis heute besten Symphonie-Orchester der Welt) treu geblieben; Mozart und Strauss können wir; Karlheinz Stockhausen, Quentin Tarantino oder Jeff Koons weniger.
In der Metamoderne nun verschieben sich die Parameter wieder und andere Qualitäten, als die der vergangenen Postmoderne, werden wieder wichtig, werden fruchtbar gemacht und integriert in das Vorwärtsstreben der neuesten Entwicklungen; eben gerade Qualitäten, die man aus der postmodernen Sicht noch als vergangen, konservativ, überholt, oder rückwärtsgewandt abgetan hatte; Qualitäten die man eher der Moderne oder gar der Vormoderne zurechnen würde, wie: Schönheit, Spiritualität, allgemein verbindende Werte und Menschenrechte, die Idee eines möglichen Fortschritts, das Heilen von kollektiven Traumata, etc. - die Liste ist lange. Genau in diesen Bereichen kann Österreich wieder anknüpfen an seine reiche Tradition und diese, sozusagen durch das Nadelöhr der Postmoderne hindurch navigiert, in die Waagschale werfen. Freilich wird das Gelingen genau davon abhängen, ob es uns in Wien gelingen wird, diese eben benannten Qualitäten post-postmodern zu verhandeln und weiterzudenken. Wenn wir in Abkehr der Postmoderne einfach in reaktionäre Muster zurückfallen und versuchten eine volkstümelnde Vergangenheit wieder zu beleben, dann werden wir die Chance verpassen nicht nur in der Metamoderne eine Rolle zu spielen, sondern auch diese entscheidend mitzugestalten; denn: Das Potential ist da! Wien kann eine entscheidende und prägende Rolle in der Entwicklung der Metamoderne spielen; wenn wir die richtigen Weichen stellen und die Gunst der Stunde erkennen.
Potential der Stadt Wien heute: Neben den bereits erwähnten, noch immer fühlbaren Qualitäten aus der Zeit vor der Postmoderne, gibt es eine Reihe von Faktoren jüngerer Entwicklung, die ein metamodernes Florieren heute begünstigen könnten. Der substantielle Zuzug von gebildeten Leuten und Fachkräften aus dem Ausland, v.a. aus Deutschland, hat dazu beigetragen, die berühmt berüchtigte Wiener „Freunderlwirtschaft" zumindest ein Stück weit aufzubrechen. Das jahrzehntelange Schmoren im eigenen Saft, verblendet von vergangener Größe und Bedeutung, hat nicht gerade dazu beigetragen eine Kultur der Offenheit und Innovation zu erschaffen. Dazu kam, dass Österreich naturgemäß als kleines Land, in den dominanten hierarchischen Systemen von Wirtschaft und Kultur, eine sehr kleine Anzahl an Gatekeepern erzeugt hatte. Wenn Einzelne für ihr Fortkommen jedoch von der Gunst sehr weniger Gatekeeper abhängig sind, unterminiert dies produktiven, fruchtbaren Widerspruch und züchtet stattdessen eine Art Untertanenschaft von missgünstigen Höflingen. Dies scheint sich im Moment jedoch zu ändern. Zum einen verlieren auch hierzulande, durch die Errungenschaften einer Netz-basierten Kultur, institutionelle Einrichtungen generell an Macht, Einfluss und Bedeutung; zum anderen werden vermehrt (zum Glück!) einige Posten der etablierten, großen österreichischen Institutionen mit Leuten von außerhalb des Landes besetzt. Dass eine junge, schwedische Frau, von nicht einmal vierzig Jahren, die Direktion des mumok übernimmt, wäre wohl noch vor zehn Jahren undenkbar gewesen. Alles zusammen ergibt ein neues Momentum, das für die Entwicklung der Metamoderne in Wien äußerst begünstigend sein könnte; paraphrasiert mit den Worten Goethes: Wurzeln und Flügel.
Deshalb komme ich nach Wien und deshalb baue ich das Vienna Hub der Metamoderne; und zwar vorerst nicht in Köln oder Berlin, nicht in Paris und nicht in London, sondern in Wien.
Wien, ein neuer Standort für Innovation in der Metamoderne?
Wie entsteht Innovation?
Ralph Buchner unterscheidet im ersten deutschsprachigen Sammelband zur Metamoderne drei verschiedene Arten von Kreativität: 1. Explorative Kreativität (innerhalb eines klar abgesteckten Rahmens, z.B. Schach) 2. Kombinatorische Kreativität (das kreative Verbinden von Elementen unterschiedlicher Felder zu einem neuen Ganzen) und 3. Transformatorische Kreativität (genuin inspirierte neue Ideen, die keine Rückschlüsse auf ihre Herleitung zulassen).
Was die ersten beiden Kategorien anbelangt ist schon heute die KI dem Menschen meilenweit überlegen, v.a. die erste Kategorie, Schach, Pop-Songs, konventionelle Story-Lines, etc. Aber auch was die kombinatorische Kreativität anbelangt werden wir schon sehr kurzfristig große Durchbrüche in der KI erleben, um komplexe Probleme zu lösen.
Aber, die KI kann trotzdem immer nur auf Ideen und Daten zurückgreifen, aus dem bestehenden Fundus des Status Quo, d.h. Probleme nur lösen aus der selben Logik heraus, aus der die Probleme entstanden sind, in the first place; und das bedeutet in der Regel leider nicht mehr, als Probleme einfach systemisch woanders hin zu verschieben. Die technischen Errungenschaften der letzten Jahrzehnte fallen in diese Kategorie; wir haben irgendein Problem punktuell gelöst (z.B. Feinstaub in der Stadt durch Elektro-Mobilität) und haben gleichzeitig zehn neue Probleme wo anders geschaffen.
Echte transformatorische Durchbrüche, die Systeme grundlegend erschüttern und vollkommen verändern können, werden weiterhin nur aus dem menschlichen Geist entspringen können. Und daraus entsteht die Frage, wie können diese echten, transformatorischen Durchbrüche entstehen? Ich denke es ist klar, dass diese nicht erzwungen werden können, sondern die einzige Möglichkeit die wir haben ist, Rahmenbedingungen zu schaffen, die solche genuin transformatorischen Innovationen begünstigen können.
Damit ein echter evolutionärer Sprung gelingen kann, braucht es eine fruchtbare Balance, ein ausgeglichenes Ökosystem unterschiedlicher Qualitäten und Rahmenbedingungen die ein produktives Oszillieren zwischen der Polarität des Lebens selbst begünstigen; nämlich: Kollaboration - Wettbewerb, Überfluss an Ressourcen - Verknappung, Sicherheit - Instabilität, Aussicht auf Anerkennung - die Reibung des Außenseitertums, überschießender Optimismus - nagende Selbstzweifel, alle Zeit der Welt - existenzielle Dringlichkeit, etc.
In den letzten, vom US-Kapitalismus geprägten Jahrzehnten, wurden die v.a. technischen Innovationen vorangetrieben alleine durch die Logik und Macht des Kapitals. Die Errungenschaften haben dort stattgefunden, wo die größten Mengen an Risiko-Kapital investiert wurde - im Silicon Valley und (mit Abstrichen) dort, wo chinesisches Staatskapital hineingeflossen ist.
Am besten zeigt sich dies gerade im Wettrüsten zwischen den USA und China um die mächtigste KI (Europa spielt dabei keine Rolle). Um die erfolgreichsten Technologie-Services der letzten Jahrzehnte zu entwickeln, brauchte man eine große Anzahl der talentiertesten Programmierer und Entrepreneure. Und dafür waren das Silicon Valley und ein paar andere Standorte die Anziehungspunkte für die zumeist jungen Leute, die in dem lukrativen Spiel mitspielen wollten. An diesen Orten hat sich diese Tech-Kultur entwickelt, intelligente Computer-Nerds, rücksichtslose Kapitalisten, rechtliche Rahmenbedingungen wie im Wilden Westen und gaaanz viel Venture Capital. Lustigerweise könnte gerade die Erfindung, Etablierung und allgemeine Zugänglichkeit zur KI diese Logik aushebeln. Um eine Schlüssel-Technologie zu erfinden und zu entwickeln, die dann in ein global disruptives Geschäftsmodell mündet, brauche ich u.U. keine großen, teuren Teams mehr. Ein cleverer Dude mit einem Laptop, irgendwo auf der Welt, kann eine solche Technologie erfinden und mithilfe der KI ready to ship entwickeln. Tatsächlich wird gerade in der Tech-Start Up Szene darüber spekuliert, wann das erste Ein-Mann-Unternehmen entstehen wird, das eine Milliarde Dollar Umsatz generieren wird; es ist nur eine Frage der (wahrscheinlich kurzen) Zeit.
D.h. dass selbst auf dem sehr begrenzten Gebiet technischer Innovation es keine ausgemachte Sache mehr sein muss, dass das reichste Land der Menschheitsgeschichte, die USA, in der Zukunft den Ton angeben wird.
Meine Annahme besteht darin, dass die Innovationen, die wir dringlichst brauchen werden um unsere multiplen Probleme und Krisen zu bewältigen, nicht technischer Natur sein werden, sondern sozialer, politischer, spiritueller, kultureller oder künstlerischer Natur. Ich bin davon überzeugt, dass die technischen, logistischen Probleme die wir heute haben, alle zu bewältigen wären, einschließlich der Klimakrise, wenn wir eine radikal neue soziale Übereinkunft entwickelten über das gute Leben und darüber, dass ein solches allen Lebewesen auf dieser Erde angedeihen sollte. Die technischen „Lösungen“ aus dem Silicon Valley werden vielleicht punktuell Probleme angehen, aber durch ihre tief in die DNA eingeschriebene kapitalistische Logik gleichzeitig das sozial dringlichste Problem der Gegenwart weiter befeuern: Die Ungleichheit. Es ist anzunehmen, dass durch die Entwicklungen der KI die Tendenzen des Neoliberalismus der letzten vierzig Jahre, immer mehr Kapital in den Händen immer weniger Individuen zu konzentrieren, exponentiell zunehmen werden. Und dann kracht es irgendwann; das war in der Menschheitsgeschichte ausnahmslos der Fall (siehe das Buch von Walter Scheidel über die Geschichte der Ungleichheit und der Revolutionen die sie hervorbringt, mit dem bezeichnenden Titel: „Nach dem Krieg sind alle gleich“).
Das bedeutet: Wir brauchen Orte für echte, transformatorische Innovationen. Sehr wahrscheinlich wird dies nicht das Silicon Valley sein, sondern Orte, die am besten ein diverses, reiches, offenes, gleichzeitig kulturell und spirituell tief verwurzeltes Ökosystem zur Verfügung stellen werden können. Ein solcher Ort könnte in der Epoche der Metamoderne Wien werden. Dafür gibt es einige Parameter, die dafür sprechen; allerdings, wie schon erwähnt, nur wenn es uns gelingen wird, nicht ins Reaktionäre zurückzufallen, sondern unser reiches Erbe der Vergangenheit konsequent in die Metamoderne zu überführen, radikal neu zu denken und transformatorisch umzugestalten. Dann könnte das was werden. Wir sollten alles daran setzen den Versuch zu starten und umzusetzen - wir und die Welt könnten sehr profitieren von neuen, metamodernen Impulsen aus Wien. People of Vienna, say hello to metamodernism.