(flüssiges) Manifest

- verschiedene Ansätze, anstatt eines eindimensionalen Katalogs von Forderungen:

Kurzkonzept:

This is not for everyone. Das Angebot richtet sich an Interessierte und Studierende aller Fachsparten; diejenigen die imstande sind über ihren eigenen Tellerrand zu blicken, die Pioniere von morgen. Denn, Fachwissen und Expertise werden an den Unis gelehrt. Das ist auch gut so. Aber, es liegt in der Natur des akademischen Betriebs, dass er konservativ ist und den Entwicklungen oft jahrzehntelang hinterher hinkt; denn, nur über lange Zeiträume abgesichertes Wissen wird akademisch etabliert und verankert. Im Zeitalter der KI und der globalen Multi-Krise haben wir aber nicht Jahrzehnte lang Zeit abzuwarten.
Wir brauchen dringend, jetzt, einen Raum für geistige Innovation und offene Experimente. Eine Grundlage für Innovation ist aber gerade, sozusagen nicht-akademisch, über das eigene enge Fachgebiet hinauszublicken und Verbindungen zu anderen Disziplinen herstellen zu können. Das war schon immer so und und liegt auch der Idee der Universität zugrunde. Aber, wohl aufgrund der sehr hohen Komplexität heutigen Fachwissens der einzelnen Disziplinen (und befeuert durch ökonomische Interessen der Industrie), entsteht vermehrt ein Spezialistentum, das mit Scheuklappen angelegt, kaum mehr über den eigenen Tellerrand zu blicken imstande ist. Das ist ein großes Problem und unterminiert das enorme Potential von Innovation.
Deshalb brauchen wir dringend, sozusagen meta-universitäre Räume der Begegnung und des Austausches. Der Begriff und der Diskurs zur Metamoderne ist heute, im 3. Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts, der beste Rahmen einen solchen Raum des Austausches zu schaffen, um voneinander zu lernen und innovative, neue Lösungsansätze zu finden für die dringlichen Probleme im Heute.
Das Bewusstsein über die täglich anwachsenden Probleme der heutigen Multikrise, ist der treibende Motor und die grundlegende Gefühlsstruktur der sich gerade formierenden Metamoderne. Wir können uns den coolen Zynismus der Postmoderne schlichtweg nicht mehr leisten, sonst gehen wir zugrunde. Es geht um nichts weniger als um die Errettung der Welt. Das werden wir nur gemeinsam schaffen und dafür braucht es neue Ansätze um die Pluralität in der DNA einer resilienten Gesellschaft einerseits zu schützen und zu erhalten (vergleichbar mit dem extrem diversen und komplexen Genpool eines resilienten Urwaldes), gleichzeitig müssen wir neue Brücken bauen und Meta-Narrative entwickeln, die ein koordiniertes Handeln auf der Basis eines breiten Konsens ermöglichen. The game is on! Say hello to metamodernism.

Inhaltliche und ästhetische Eckpfeiler der Metamoderne:

A. Schwingung & Dazwischen
Wir sind weder naiv noch zynisch. Wir leben im Pendeln – zwischen Hoffnung und Zweifel, Ernst und Ironie, Spiritualität und Rationalität. Das „Dazwischen“ ist kein Mangel, sondern unsere Heimat.
B. Komplexität & Verbundenheit
Alles ist vernetzt – Mensch, Natur, Technologie, Kultur. Wir anerkennen Mehrdeutigkeit, wir suchen Resonanz statt Vereinfachung.
C. Rekonstruktion & Sinnstiftung
Wir nehmen die Dekonstruktionen der Postmoderne ernst, doch wir bauen neu: Narrative, Symbole, Institutionen. Sinn entsteht im Erschaffen, nicht im Zersetzen.
D. Authentizität & Schönheit
Wir wissen um die Künstlichkeit, und entscheiden uns dennoch für Aufrichtigkeit. Schönheit ist kein Luxus, sondern Kraftquelle. Hoffnung ist kein Eskapismus, sondern eine Praxis.
E. Planetarisches Bewusstsein - lokal Handeln
Wir verstehen uns als Teil eines größeren Ganzen: Erde, Mitwelt, kommende Generationen. Verantwortung ist keine Bürde, sondern unsere Würde.



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Vorgeschichte - Essay:

Die Postmoderne ist vorbei - say hello to metamodernism: 

 

Die Postmoderne war entstanden und hatte seit den siebziger Jahren kulturelle Wirkkraft entfaltet, als Reaktion auf die eurozentrische, kolonialistische und Allgemeingültigkeit beanspruchende Moderne und ihren naiven Fortschrittsglauben. 

Allerdings ist die berechtigte Ideologie-Kritik der Postmoderne bald selbst zu einer Ideologie eines radikalen (und vollkommen Lebens-fremden) moralischen Relativismus erstarrt. Alle Erzählungen von verbindenden, allgemein menschlichen Anliegen, wurden kategorisch abgelehnt als falsche, kulturelle Konstruktionen, die im Kern immer auf einen Machtgewinn und Dominanz ausgerichtet wären. Die Folgen, die bis heute Nachwirken, waren einerseits eine fruchtbare Dekonstruktion des Eurozentrismus zugunsten einer kulturellen Vielstimmigkeit und eine wilde, kreative, künstlerische Phase eines Anything Goes. Andererseits hat die Postmoderne den Weg bereitet für Zynismus, Apathie, erodierende gesellschaftliche Solidarität, krassen Individualismus/Egoismus, oberflächlichen Party-Hedonismus der kein Morgen zu kennen scheint, bis hin zu einem verachtenden und erlahmenden Nihilismus. Es ist wohl kein Zufall, dass die Ideologie und Etablierung des Neoliberalimsus und des gnadenlos Ressourcen-ausbeutenden Spätkapitalismus zeitlich zusammenfallen. 

Gleichzeitig wirkte die postmoderne Attitüde der Kultur-Elite auf viele Menschen, die nicht dieser Sphäre angehören, nicht nur lebensfremd und abgehoben, sondern die Postmoderne verweigerte sich bewusst, ordnende Narrative in einer chaotischen Welt, anzubieten. Weil aber kein Mensch in vollkommener Orientierungslosigkeit, angeblich alles und jeden als gleichwertig anerkennen zu müssen, verharren kann, entstand so ein gewaltiges Sinn- und Identifikations- Vakuum. In dieses Vakuum hinein wucherten in den letzten Jahrzehnten rattenfängerische Angebote einer reaktionären Identitätspolitik auf der einen Seite, als auch ein überschießender, woker Moralismus und Cancel- Culture auf der anderen Seite. Beide Phänomene entbehren einer anthropologischen Grundlage und bieten ein billiges Identifikations- Angebot zur Stabilisierung des verunsicherten Selbst als ein „Schein-Wir“ (Fritz Künkel). In der postmodernen Abschaffung einer verbindlichen Wahrheit, bzw. des Glaubens eine solche überhaupt formulieren zu können, ist es zudem nicht wunderlich, dass sich unverfroren lügende Populisten wie Donald Trump an die Spitze der Gesellschaft setzen. Trump ist ja nicht die Ursache, sondern nur das grelle Symptom einer rücksichtslosen und verlogenen Politik, die seit mehreren Jahrzehnten sich ausgebreitet hat. Jeder Politiker, der gelogen hat, hat zu dieser Erosion der Wahrheit ein Puzzle-Stück beigetragen und Trump den Weg bereitet. 

Den Höhepunkt der postmodernen Kultur erlebten wir wohl nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in den neunziger Jahren, als durch das Wegfallen einer System-Alternative der globale Kapitalismus als das „Ende der Geschichte“ endgültig durchgebrochen und in Berliner Techno-Parties abgefeiert wurde. 

Auf der Basis postmoderner Lebenshaltungen lassen sich jedoch die großen Herausforderungen der heutigen Multi-Krise globalen Ausmaßes nicht bewältigen. Das wurde vielen Menschen, Denkern und Künstlerinnen inzwischen klar. 

Nach der Jahrtausendwende begannen sich langsam aber sicher andere und neue Empfindungsstrukturen zu etablieren, die zuerst in künstlerischer Praxis Niederschlag fanden und die wir retrospektiv als Vorläufer einer sich im Entstehen begriffenen Metamoderne zu erkennen glauben. Die neue Kunst pendelte zwischen unterschiedlichen Polen, die man davor eher als sich ausschließend verstanden hatte; z.B.: „[…] Enthusiasmus und Ironie, Hoffnung und Melancholie, Bewusstsein und Naivität, Mitgefühl und Apathie, Einheit und Pluralität, Ganzheit und Fragmentierung, Ursprünglichkeit und Ambiguität - auf der Suche nach einer Eindeutigkeit ohne die Erwartung sie zu finden.“ (Tanja Wagner) 

Das Wort, die Konzeption und der entsprechende Diskurs über die Metamoderne entstand zuallererst bei einer jungen Generation von Philosophen, Kunst- und Kulturtheoretikern aus den Niederlanden und Skandinavien und ist heute vor allem auch im angloamerikanischen Raum lebendig. Im deutschsprachigen Bereich war der Diskurs bis 2024 kaum noch aufgekeimt, als der erste deutsch verlegte Sammelband zur Metamoderne publiziert wurde. (https://www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com/psychologie/die-metamoderne

Der Diskurs nimmt nun auch in den DACH-Ländern Fahrt auf und der Begriff Metamoderne wird für unsere Zeit Epoche bildend; und zwar aus einem einfachen Grund: 

Die Grundsäulen der Konzeption wurden entwickelt auf präzisen Beobachtungen von zahlreichen reellen kulturellen Verschiebungen und Produktionen in Pop-Kultur und Kunst (>>Notes on Metamodernism<<, Robin van den Akker und Timotheus Vermeulen, 2010). Daraus hat sich ein konzeptioneller Rahmen entwickelt und etabliert, der die neue Empfindungsstruktur der Metamoderne und ihre Anliegen, wie durch eine semipermeable Membran eingefasst, sehr klar und präzise, gleichzeitig aber ebenso offen und amorph beschreibt, um der heutigen Vielstimmigkeit und Komplexität kultureller Erscheinungen Rechnung zu tragen. 

In dieser Quadratur des Kreises entfaltet die Konzeption ihre überzeugende Gültigkeit; sie ermöglicht es verbindende, offene Meta-Erzählungen zu entwickeln, ohne in ein ideologisches Schwarz/Weiß-Denken zu verfallen. 

Heute entstehen vielfältige Bemühungen einer Reintegration von Spiritualität und des Religiösen in die metamoderne westliche Kultur (mit aller gebotener Skepsis gegenüber der Überlieferung und der institutionellen Macht der Amtskirchen). 

Bereits Egon Friedell hatte vor hundert Jahren (im Vorwort seiner Kulturgeschichte der Neuzeit) herausgearbeitet, dass jedweder Kultur die ihr eigene Religion und Mythologie als Wurzel, Entwicklungsbasis und als Keimstoff zu Grunde liegen. 

Die Aufklärung hatte bereits im 18. Jahrhundert, mithilfe eines nun der Wissenschaft verpflichteten rationalen Denkens begonnen, die Gewissheiten der religiösen Alltagspraxis und den Wahrheitsanspruch der Amtskirchen zu hinterfragen. Ob der entzaubernden Wirkung des neuartigen Rationalismus auf das Empfindungsvermögen der Menschen, nämlich selbstverständlich die Welt als Wunder zu erleben, hatte Friedell die Aufklärung auch gleichzeitig als partielle „Verdunkelung“ bezeichnet. 

Egon Friedell war aus meiner Sicht ein die erst heute sich entfaltende Metamoderne vorwegnehmender Pionier, der bis heute nicht annähernd verstanden und angemessen gewürdigt wird. Er hatte bereits die Prinzipien des Oszillierens angewandt, um das Verständnis der komplexen Realität nicht in einer reduktiven Dialektik stabil einzunorden, im Versuch die Komplexität in verkürzender Weise lösen zu wollen. Der historische Materialismus z.B. eines Karl Marx, der tatsächlich glaubte er könnte mit wissenschaftlicher Sicherheit die gesellschaftliche Entwicklung (hin zum Kommunismus natürlich) präzise voraussagen, war ihm modernistischer Schwachsinn und rationalistische Selbsttäuschung. Stattdessen hatte Friedell Polaritäten gekonnt in Beziehung gesetzt und in einem produktiven Pendeln zwischen diesen, sein Erkenntnisvermögen in schwindelerregende Höhen geschraubt - offen amorph und glasklar gleichzeitig, hat er sich jedweder Ideologie und ideologischen Vereinnahmung zu entziehen gewusst; methodisch ist er meta-wissenschaftlich, künstlerisch/intuitiv vorgegangen - mehr metamodern geht nicht. Meine Bewunderung für Friedell hier nur als kurzer Nebenstrang. 

Zurück zur Aufklärung/Verdunkelung: Die Geschichte der Moderne ist bestimmt von einer Erosion des Religiösen, sozusagen im Zeitlupentempo. Freilich sind die Wurzeln und Fundamente der Religion durch die Verfälschungen der Bibel und des exzessiven Machtmissbrauchs der Amtskirchen, bereits vor der Neuzeit über Jahrhunderte hinweg erodiert und morsch geworden. Mit der Emanzipation des Individuums, der Selbstermächtigung der Denkenden und der Erstarkung des Rationalismus wurden dann immer mehr Steine im Fundament gelöst, der Zweifel hatte sich immer mehr in blanke Ablehnung verwandelt. Spätestens in der Postmoderne war die totale Umkehrung des Glaubens in einen Unglauben vollzogen, das Kirchengebäude ist endgültig eingestürzt. Allerdings muss man diese Entwicklungen immer fast ausschließlich auf die relativ kleine Gruppe der Kultur-Eliten beziehen, die jedoch den Ton angaben in der Gesellschaft. In der normalen Bevölkerung, vor allem am Land, lebt eine Art Volks-Glauben (zu einem Drittel naiv, einem weiteren Drittel ignorant und zu 30% im besten Sinne „gspiarig“) mehr oder weniger bis heute fort. 

Mit der angemessen Skepsis gegenüber der Überlieferung und der weltlichen Macht der Amtskirchen, haben wir jedoch das Kinde mit dem Bade ausgeschüttet. Keine rational klaren Antworten findend, haben wir nun aus bloßer Hilflosigkeit, alles Religiöse insgesamt abgelehnt, mindestens jedoch vollkommen ausgeklammert. 

Damit haben wir jedoch unsere ureigene kulturelle Basis zerstört. 

Heute werden sich immer mehr metamodern denkende Menschen, vor allem junge, bewusst, dass wir ohne dieser Basis kaum die tiefgreifenden, transformatorischen Lösungen finden werden und noch weniger einen breiten, gesellschaftlichen Konsens. 

Deshalb wird das Thema des Religiösen in der Metamoderne nicht nur erneut aufgegriffen, sondern es wird ihm eine zentrale Rolle beigemessen. Exemplarisch sei hier die Arbeit von Brendan Graham Dempsey in den USA genannt, sowie dem experimentellen Format des „metamodern spirituality lab“ des Sky Meadow Institutes, einem in-person-symposium, das an wechselnden Orten in den USA stattfindet. Dabei werden spirituelle Themen nicht nur denkend reflektiert und diskutiert, sondern im Versuch den ganzen Menschen und alle Sinne integrierend, vielfältige Ansätze, Experimente, Gemeinschaft und Rituale erprobt. 

Ich bin heute der Überzeugung, dass die linken Utopien der Moderne (obwohl in ihrer Genese unbewusst, aber eindeutig hervorgegangen aus religiös geprägtem, moralischem Denken), als solche, nämlich als radikale System-Alternativen, alle zum Scheitern verurteilt sind - gerade weil ihnen die religiös, spirituelle Basis fehlt. Eine rein materialistische Utopie, wird extrem leicht gekapert und moralisch umgedeutet und mündet überspitzt formuliert schnell im Gulag - eben weil ihr eine tiefe religiös, moralische Verankerung fehlt. Nur Prinzipien, die religiös verwurzelt sind, d.h. die imstande sind über die materielle Realität im Hier und Jetzt hinauszuweisen, können als solche standhalten; auch im Angesicht eventuell äußerst schlechter Umstände und Aussichten. Fehlen diese Wurzeln, werfen die Verantwortlichen im Angesicht von Widerständen sehr schnell ihre ursprünglich proklamierten „Werte“ über Bord. Die sogenannten "Werte" erstarren dann zu einer Ideologie, die im Sinne des „der Zweck heiligt die Mittel“ auf Gedeih und Verderb verteidigt wird. In diesem Ausverkauf und manchmal geradezu einer totalen Umdeutung der Werte, wird die nun sichtbar werdende Heuchelei mit umso größerer Rücksichtslosigkeit verteidigt und vorangetrieben. Dies wurde am augenscheinlichsten im Sowjet-Kommunismus, aber auch in abgeschwächter Form finden wir dies heute beispielsweise bei den Deutschen Grünen, in der Umfärbung zu den Olivgrünen. 

Gleichzeitig möchte ich die gewaltigen Verdienste der historischen Sozialdemokratie hervorheben. Das immer noch relativ hohe Niveau von Wohlstand, Rechtsstaatlichkeit und Arbeitnehmerrechten in den westlichen Staaten, verdanken wir zum allergrößten Teil der Arbeiterbewegung und der politischen Organisationen dieser. 

Die historische Sozialdemokratie hat gerade ihre bedeutenden Beiträge zu einer gerechteren Welt nicht in der Durchsetzung einer radikalen Utopie bewerkstelligt, sondern im pragmatischen Austarieren zwischen Utopie und realpolitischen Handlungsspielräumen innerhalb des Systems. Leider wurden diese Handlungsspielräume in der Epoche des Neoliberalismus und durch die Globalisierung immer mehr eingeengt. Zum Teil wurden diese politischen Handlungsspielräume, in vorauseilendem Gehorsam gegenüber dem Groß-Kapital, am rücksichtslosesten zurückgefahren von den mächtigsten „linken“ Politikern ihrer Zeit selbst… Gerhard Schröder, Tony Blair, Bill Clinton… D.h. auch in diesen Fällen zeigt sich, dass Prinzipien über Bord geworfen wurden, weil es angeblich keine Alternative gab… Diese (fehlende) Haltung ist jedoch gerade das Gegenteil von einer auf Prinzipien basierenden, echten Haltung. Prinzipien gelten auch dann, wenn sie in der Welt im Moment als aussichtslos angesehen werden; sonst sind es eben keine Prinzipien. Ein Pazifist ist ein Pazifist. Punkt. Dieses Prinzip ist nicht verhandelbar und nicht vereinbar mit „Panzer für den Frieden“, weil es eine angebliche (oder auch wirkliche!) Zeitenwende gebe. Denn, langfristig, über die unmittelbare Realität und die Zeitspanne eines Menschenlebens hinaus, ist das einzige was eine echte, in die Geschichte hinein sich entfaltende Wirkmacht erzeugt, die absolute Glaubwürdigkeit unverrückbarer Werte und Prinzipien - gerade im Angesicht von Widerstand und vielleicht sogar scheinbarer Aussichtslosigkeit. Der historisch wirkmächtigste Mensch der Geschichte war nicht umsonst Jesus von Nazareth. Er hat wie kein anderer seine Haltung von Frieden und Liebe verkörpert. Sein für uns unvorstellbares Übermaß an Liebe kam wohl am klarsten zum Ausdruck, als er zu Tode gefoltert wurde und auf seine Peiniger Bezug nehmend, am Kreuze hängend, die Worte sprach: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.“… Vergleicht man dies mit der vollkommen verrohten Prinzipienlosigkeit heutiger „Realpolitiker“, die sich selbst auch noch „Christen“ nennen und die ohne mit der Wimper zu zucken Hunderttausende getötete Zivilisten und unschuldige Kinder als Kollateralschaden einer „wertegeleiteten“ Außenpolitik verstehen, ist dies an Perversion kaum zu überbieten… In Hinblick auf diese himmelschreiende Heuchelei ist es menschlich verständlich, dass viele den Impuls fühlen, sich vom Religiösen als solchem vollkommen abzuwenden. Allerdings tut man dadurch diesen Heuchlern wohl zu viel der Ehre… 

Schön langsam sollten wir lernen, über diese kindischen Impulse hinauszuwachsen und mit ein bisschen Abstand, von einer Meta-Ebene aus betrachtet, sehen, dass man die Pervertierung von Religion nicht gleichsetzten kann mit der Religion selbst. Genauso kurzsichtig wäre es zu behaupten, dass das anti-faschistische Lied „Bella Ciao“ ursächlich wäre für die Ermordung eines Politikers, nur weil ein Geisteskranker „bella ciao“ in die Gewehrpatrone graviert hatte… 

Eine der Hauptaufgaben in der Metamoderne wird es sein, das individuell und kollektiv heilende und auch politische Potential des Religiösen neu zu entdecken und zu einer emanzipatorischen Entfaltung zu führen - als Basis und gleichzeitig gesellschaftlichen Kit zwischen unterschiedlichen Lagern (nach Fritz Künkel das „Reifende-Wir“) - und eben nicht reaktionär und anti-modern zu missbrauchen (das „Schein-Wir“), wie es die Rechten, immer wieder neu aufgebrüht, in den letzten zweihundert Jahren versuchten. 

Diese post-ideologischen Ambiguitäten erst einmal aushalten zu können, neu zu entdecken und miteinander in Beziehung zu setzen, ist zugegebenermaßen wohl keine leichte Aufgabe, aber spannend! Denn genau darin liegt das gewaltige Entwicklungspotential der Metamoderne. Lust darauf!? Say hello to metamodernism. 



 

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Methodische und ästhetische Modi der Metamoderne: 

 

 1. **Schwingung zwischen Gegensätzen** 

 

* Annahme, dass wir nicht „entweder–oder“ sind, sondern „sowohl–als-auch“. 

* Ironie und Ernst, Hoffnung und Zweifel, Rationalität und Spiritualität dürfen nebeneinander stehen. 

* Die Bewegung ist ein Pendel, das Kraft aus der Spannung bezieht. 

 

 2. **Transzendenz & Immanenz** 

 

* Wir sehnen uns nach Sinn, doch wir wissen um die Begrenztheit unserer Perspektive. 

* Offenheit für Spiritualität, ohne Dogma. 

* Anerkennung, dass das Erhabene im Alltäglichen liegt. 

 

3. **Komplexität & Verbundenheit** 

 

* Bewusstsein für die Vernetztheit von Ökonomie, Ökologie, Technologie, Kultur. 

* Fähigkeit, mit Unsicherheit und Mehrdeutigkeit zu leben. 

* Ablehnung reduktionistischer Schwarz-Weiß-Erzählungen. 

 

4. **Rekonstruktion statt Dekonstruktion** 

 

* Postmoderne Kritik wird nicht verworfen, sondern integriert. 

* Aber: Fokus auf Aufbau, auf das Schaffen von neuen Erzählungen, Institutionen, Symbolen. 

* Wir wollen wieder Sinn stiften, nicht nur zersetzen. 

 

5. **Authentizität in der Inszenierung** 

 

* Das Bewusstsein für die Künstlichkeit kultureller Ausdrucksformen bleibt. 

* Und dennoch: wir entscheiden uns für aufrichtige Ausdrucksformen – auch im Wissen, dass sie konstruiert sind. 

* „So tun, als ob“ wird zu einem ernsthaften, kreativen Akt. 

 

6. **Planetarisches Bewusstsein** 

 

* Globalität ist kein Schlagwort, sondern gelebte Realität. 

* Verantwortung für Klima, soziale Gerechtigkeit, technologische Folgen. 

* Die Erde als gemeinsames Projekt. 

 

7. **Ästhetik der Hoffnung** 

 

* Die Kunst und Kultur der Metamoderne ist weder zynisch noch naiv. 

* Sie trägt Trauer und Hoffnung zugleich. 

* Ein Plädoyer für Schönheit als Kraftquelle und nicht als Luxus. 

 

8. **Metaxy – das Dazwischen als Heimat** 

 

* Wir leben nicht am „Ende der Geschichte“, sondern im Offenen. 

* Unsere Identität ist ein Prozess, kein fixes Ziel. 

* Das Dazwischen wird zur eigentlichen Heimat – kreativ, dialogisch, lebendig.